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Haferkur gegen hohes Cholesterin

Messbarer Effekt

Haferkuren wurden schon in früheren Zeiten bei Diabetes empfohlen. Nun hat eine Studie untersucht, ob eine 2-tägige Haferdiät auch den Cholesterinspiegel senken kann.

Hohe Cholesterinwerte als Gesundheitsrisiko

Hohe Cholesterinwerte erhöhen das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Das gilt vor allem, wenn das LDL-Cholesterin erhöht ist. In diesem Fall sollten Betroffene Medikamente einnehmen, um den Wert zu senken. Forschende der Uni Bonn haben nun untersucht, ob sich auch eine spezielle Diät positiv auf die Cholesterinwerte auswirken könnte: eine zweitägige Haferkur.

Hafer mit etwas Obst und Gemüse

Im Versuch wurden zwei Gruppen gebildet. Alle Teilnehmenden hatten Adipositas und Anzeichen eines metabolischen Syndroms. Die erste Gruppe durfte zwei Tage lang jeweils nur 300 Gramm Haferflocken mit etwas Obst und Gemüse essen. Damit reduzierten die Teilnehmenden ihre Kalorienaufnahme um die Hälfte. Die zweite Gruppe wurde ebenfalls auf Kalorien-Diät gesetzt, ernährte sich aber normal. Das Ergebnis: In der Hafergruppe waren die Cholesterinwerte nach der Diät 10 % niedriger als in der zweiten Gruppe. Dieser Effekt hielt 6 Wochen lang an.

Darmmikrobiom verändert

Die Forschenden erklären sich den niedrigeren Cholesterin-Wert vor allem durch die Auswirkung der Diät auf das Darmmikrobiom. Das hatte sich nach der Diät nämlich verändert. Nach der Diät wurde im Stuhl ein gestiegener Anteil eines Bakteriums nachgewiesen, das sich sehr wahrscheinlich positiv auf den Cholesterinstoffwechsel auswirkt.
Das Experiment wurde anschließend leicht verändert wiederholt: Die Teilnehmenden durften dabei zu den 300 Gramm Haferflocken essen, was sie wollten. In dieser Form sanken die Cholesterin-Werte nicht. Wer also einen messbaren Effekt aufs Cholesterin möchte, muss sich also sehr wahrscheinlich zwei Tage lang auf Hafer beschränken.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt


Quelle: Sara Steer
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Medikament verzögert Typ-1-Diabetes

Vor allem Kinder profitieren

Ein Typ-1-Diabetes muss immer mit Insulin behandelt werden. Es sei denn, man erkennt ihn schon im Frühstadium: Dann kann man mit einem neuen Antikörper die Entwicklung der Erkrankung um etwa 2 Jahre aufhalten – und damit auch erst einmal das Insulinspritzen.

Autoimmunerkrankung im Kindesalter

Beim Diabetes mellitus unterscheidet man zwei Hauptformen: Der deutlich häufigere Typ-2-Diabetes beruht auf einer genetischen Veranlagung und Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und einer ungesunde Ernährung. Eine Folge davon ist, dass die Fettzellen das Insulin immer schlechter aufnehmen können. Bemerkbar macht sich der Typ-2-Diabetes meist im Alter zwischen 40 und 50 Jahren.

Der Typ-1-Diabetes ist dagegen eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinbildenden Zellen zerstört. Er beginnt meist bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren. Im Krankheitsverlauf werden drei Stadien unterschieden. In Stadium 1 sind die ersten Autoantikörper nachweisbar, aber der Blutzuckerhaushalt ist noch ungestört. Im Stadium 2 sind die Blutzuckerwerte schon verändert, ohne dass sich Symptome zeigen. Im Stadium 3 kommen dann die typischen Beschwerden wie starker Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtverlust hinzu. Ab diesem Zeitpunkt muss die Patient*in Insulin spritzen.

Antikörper bindet an fehlgeleitete Zellen

Bisher war die Insulingabe die einzige Behandlungsmöglichkeit beim Typ-1-Diabetes. Jetzt gibt es das erste Medikament, dass schon in der Frühphase der Erkrankung eingreift und das Fortschreiten des Typ-1-Diabetes bremsen kann. Der Antikörper Teplizumab bindet an die Blutzellen, die fälschlicherweise die insulinproduzierenden Zellen angreifen. Dadurch werden die noch gesunden Betazellen geschützt und der Übergang von Stadium 2 in Stadium 3 verzögert.

Der Effekt kann sich sehen lassen. In der wichtigsten Studie zu Teplizumab erhielten 76 Patient*innen im Stadium 2 des Typ-1-Diabetes alle zwei Wochen intravenös entweder Teplizumab oder ein Scheinmedikament. Die Zeit, bis die Teilnehmer*innen ins Stadium 3 kamen, betrug unter dem Antikörper 50 Monate, unter dem Scheinmedikament nur 25 Monate. Im Durchschnitt wurde die Entwicklung zu einem manifesten Typ-1-Diabetes um etwa zwei Jahre hinausgeschoben.

Zwei Jahre ohne Insulinspritzen

Diese zwei Jahre bedeuten für die Betroffenen einen großen Vorteil an Lebensqualität, betonen die Forschenden. Dies ist vor allem für Kinder und Jugendliche wichtig, denn ihnen werden zwei weitere „normale“ Jahre ohne Insulintherapie ermöglicht.

Teplizumab wurde im Januar 2026 in der EU und damit auch in Deutschland zugelassen. Die Kostenübernahme muss noch geklärt werden. Wahrscheinlich ist, dass die Kassen zunächst nach Antrag und Prüfung im Einzelfall darüber entscheiden werden, ob sie die Therapiekosten übernehmen.

Quelle: ptaheute

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Was kann der Reishi-Pilz?

Vom Baum in die Kapsel

Immer wieder geistern neue Ernährungstrends durch das Internet. Momentan ist der Reishi-Pilz in aller Munde. Als Pulver oder Extrakt soll er z. B. den Blutzucker bei Diabetes senken und Krebs bekämpfen. Stimmt das?

Seit 2000 Jahren im Dienst der Heilkunde

Der auch unter dem Namen „Glänzender Lackporling“ bekannte Reishi-Pilz ist weltweit verbreitet und wächst auf totem oder geschwächtem Laubholz. Seinen eigentlichen Ursprung hat er in China, wo man ihn seit mehr als zweitausend Jahren als traditionelles Heilmittel einsetzt. Dabei wird er meist als Pulver oder Extrakt angeboten und z. B. in Kaffee oder Kakao getrunken.

Studienqualität meist schlecht

Der Reishi-Pilz ist voll von bioaktiven Inhaltsstoffen. Beta-Glucane, Triterpene, Proteine, Sterole und Mineralstoffe sind nur einige davon. Die Liste von Gesundheitseffekten, die mit dem Pilz erzielt werden sollen, ist ebenso lang. Am häufigsten wird eine Wirkung gegen Krebs und Diabetes postuliert. Dafür werden immer wieder entsprechende Untersuchungen mit positiven Ergebnissen angeführt. Allerdings ist die Qualität vieler Studien schlecht und wenig geeignet, Schlüsse daraus zu ziehen. Die meisten Erkenntnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen und sind nicht auf den Menschen übertragbar.

Die strenge Analyse hochwertiger kontrollierter Studien kommt schließlich zu einem etwas ernüchternden Fazit. So konnte der Lackporling weder das Überleben von Krebspatient*innen verlängern noch den Blutzucker bei Diabetiker*innen dauerhaft senken. Ob der Pilz vielleicht bei einigen Erkrankungen unterstützend hilfreich ist, wird ebenfalls noch diskutiert.

Nebenwirkungen sind möglich

Doch nicht nur die mangelnde Wirkung ist bedenkenswert. Der Pilz kann bei der Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel auch zu Nebenwirkungen führen. Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sind dabei am häufigsten.

Bei Patient*innen mit Nierenschwäche ist Vorsicht geboten, denn es kann durch den Pilz zu einer schweren Unterzuckerung kommen. Zudem kann der Lackporling die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken. Wer ASS oder Marcumar einnimmt, sollte deshalb auf die Einnahme des Tendpilzes lieber verzichten – oder vorher ärztlichen Rat einholen.

Quelle: ptaheute

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Stillen reduziert Blutkrebs-Risiko

Baby an die Brust!

Krebs ist bei Kindern zum Glück selten. Wenn sie aber daran erkranken, entwickeln sie häufig eine Leukämie. Diesem Blutkrebs kann offenbar mit Stillen vorgebeugt werden.

Daten von 300 000 Kindern analysiert

Schon länger gibt es Hinweise darauf, dass gestillte Babys im Kindesalter seltener Krebserkrankungen entwickeln als ungestillte. Größere Studien dazu gab es bisher allerdings nicht. Um hier mehr Klarheit zu schaffen, hat eine dänische Arbeitsgruppe die Daten von über 300 000 Kindern des dänischen Kindergesundheitsregisters analysiert. Die Beobachtungszeit dauert von der Geburt bis längstens zum 15. Lebensjahr des Kindes.

331 Kinder erhielten im Alter von ein bis 14 Jahren eine Krebsdiagnose, das Durchschnittsalter dabei betrug 4 Jahre. Am häufigsten war Blutkrebs, 122 (37%) der Kinder erkrankten daran. Bei zwei Drittel von ihnen handelte es sich um eine akute lymphoblastische Leukämie (ALL). Die übrigen Kinder litten an Tumoren des zentralen Nervensystems oder an soliden Tumoren, bei denen z.B. Leber, Auge, Niere oder Darm betroffen waren.

Mindestens drei Monate voll stillen

Im dänischen Kindergesundheitsregister werden auch die Daten zur frühkindlichen Ernährung dokumentiert. Daraus errechneten die Forschenden, dass Stillen vor Blutkrebs schützt, und zwar insbesondere vor einer ALL. Wurden die Kinder über mehr als drei Monate hauptsächlich gestillt, verringerte sich ihr Blutkrebsrisiko um 34% im Vergleich zu den Kindern, die kürzer oder gar nicht gestillt worden waren. Auf die Entwicklung anderer Tumoren hatte das Stillen keinen Einfluss.

Darmmikrobiom als schützende Ursache?

Der positive Einfluss des Stillens beruht womöglich auf dem Darmmikrobiom, also auf den Bakterien, die den Darm bewohnen. Denn es hat sich gezeigt, dass an ALL erkrankte Kinder eine andere Darmflora haben als gesunde Gleichaltrige. Genaueres dazu muss jedoch noch erforscht werden.

Auch wenn die ALL zu den häufigsten Krebsarten bei Kindern gehört, ist sie trotzdem sehr selten, kommentiert eine Expertin die Studie. Ob das verringerte Risiko einer ohnehin seltenen Erkrankung Mütter dazu bringt, länger voll zu stillen, hält sie für unwahrscheinlich. Dennoch sei das Ergebnis ein weiterer Vorteil, der die entscheidende Bedeutung des Stillens ergänze.

Quelle: Springer Medizin

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Was man zu B12-Mangel wissen sollte

Mehr als schlapp und müde

Ein Vitamin-B12-Mangel betrifft nur Menschen, die sich vegan ernähren? Und mit einem Präparat aus dem Supermarkt ist schnell wieder alles in Ordnung? Hier sind Fakten, die Schluss mit Mythen um den Vitamin B12-Mangel machen.

Auswirkungen oft erst nach Jahren

Ohne Vitamin B12 geht es nicht. Der auch Cobalamin genannte Nährstoff ist nicht nur an der Produktion der roten Blutkörperchen beteiligt. Er ist u.a. auch nötig für die Regeneration der Nervenhüllen und damit für das Funktionieren des Nervensystems. Umso wichtiger ist es, dass man die Versorgung mit dem Vitamin gut im Blick hat – und sich dabei nicht von kursierenden Fehlinformationen irritieren lässt:

  1. „Der Vitamin-B12-Mangel ist eine Bagatelle“. Stimmt keinesfalls: Zunächst kommt es durch die Blutarmut zwar nur zu Erschöpfung oder Müdigkeit. Längerfristig leidet jedoch das Nervensystem. Brennen und Kribbeln an Händen und Füßen, ein unsicherer Gang und eine verminderte Denk- und Gedächtnisfunktion sind mögliche Folgen.
  2. „Ein Vitamin-B12-Mangel tritt nur bei veganer Ernährung auf“. Das ist falsch. Hauptquelle für Vitamin B12 sind zwar tierische Lebensmittel – weshalb vegan lebende Menschen tatsächlich zur Risikogruppe für einen B12-Mangel gehören. Aber auch etliche andere Bevölkerungsgruppen nehmen zu wenig Vitamin B12 auf. Bei alten Menschen liegt das oft an einseitiger Nahrung. Eine Störung der Vitaminaufnahme durch Medikamente ist ebenfalls möglich. Infrage kommen dafür z.B. das Diabetesmedikament Metformin oder Protonenpumpenhemmer, die die die Magensäure blocken.
  3. „Bei Störungen der Vitamin-B12-Aufnahme muss das Vitamin über die Vene verabreicht werden“. Falsch. Auch eine orale Einnahme wirkt, also zum Beispiel in Form von Tabletten zum Abschlucken. Voraussetzung dafür ist allerdings eine besonders hohe Dosierung. Beträgt sie z.B. 1000 Mikrogramm pro Tablette, kann Vitamin B12 einfach passiv durch die Darmschleimhaut diffundieren.
  4. „Es ist egal, welches Vitamin-B12-Präparat man einnimmt“. Das stimmt so nicht. Denn vor allem Nahrungsergänzungsmittel enthalten oft nicht die angegebenen Mengen oder sogar schädliche zusätzliche Inhaltsstoffe. Vitamin-B12-Arzneimittel sind dagegen im Hinblick auf Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Im Zweifel lässt man sich am besten in der Apotheke beraten.
  5. „Ist der Mangel behoben, ist das Problem erledigt“. In vielen Fällen ist dies nicht der Fall. Zum Beispiel, wenn eine Aufnahmestörung hinter dem Vitamin-B12-Mangel steckt. Dann kann sich nach Absetzen des Präparats erneut ein Mangel entwickeln – auch wenn die Grunderkrankung therapiert wird. Ob eine langfristige Substitution erforderlich ist, prüft die Ärzt*in anhand der Blutwerte.


Quelle: ptaheute

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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