Apotheken News
Essen nach der Uhr
Immer mehr Deutsche sind zu dick. Der Wunsch nach Abnehmen ist deshalb ein Dauerbrenner – nicht nur als guter Vorsatz beim Jahreswechsel. Intervallfasten kann dabei helfen. Doch welches Zeitfenster ist das beste dafür?
Intervallfasten erleichtert Kalorienreduktion
Viele Abspeckwillige setzen beim Abnehmen auf Intervallfasten. Dabei wird nur in einem meist achtstündigen Zeitfenster gegessen und in den restlichen 16 Stunden konsequent auf eine Nahrungsaufnahme verzichtet – kalorienarme Getränke sind währenddessen erlaubt.
Dass Intervallfasten bei der Gewichtsabnahme helfen kann, wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Allerdings diskutieren die Expert*innen noch über das beste Zeitfenster für die Essensaufnahme. Eine spanische Arbeitsgruppe hat deshalb untersucht, ob es einen Unterschied macht, wann man mit dem achtstündigen Essensaufnahmefenster beginnt. 197 übergewichtige Männer und Frauen nahmen an der Studie teil. Sie alle aßen normalerweise in einem mehr als zwölfstündigen Zeitraum und hatten einen bewegungsarmen Lebensstil.
Ab 10 Uhr oder ab 13 Uhr?
Die Teilnehmer*innen wurden in vier Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 aß weiter wie zuvor und erhielt eine Schulung zu Ernährung und Bewegung. Die anderen drei Gruppen hielten stattdessen ein achtstündiges Essensaufnahmefenster ein. Gruppe 2 begann damit um 10 Uhr, Gruppe 3 um 13:00 und Gruppe 4 wählte ihre acht Essensstunden frei. Die restlichen 16 Stunden wurde gefastet.
Nach zwölf Wochen hatten die Teilnehmer*innen aller drei Intervallfasten-Gruppen mehr Gewicht reduziert als diejenigen, die wie gewohnt weitergegessen hatten. Die Gruppe mit dem frühen Essensfenster nahm durchschnittlich 2,9 kg ab, die mit spätem Essensbeginn 2,4 kg und diejenigen, die ihr Fenster frei gewählt hatten, 3,1 kg.
Bauchfett bleibt ungerührt
Mithilfe der Magnetresonanztomografie wurde in der Studie auch das Bauchfett vor und nach der zwölfwöchigen Diätphase gemessen. Das ist wichtig, weil dieses Fett entzündungsfördernd ist und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Bei der Menge des Bauchfetts fanden sich allerdings keine Unterschiede zwischen den Gruppen, egal ob frühes, späteres oder gar kein Intervallfasten. Auf das Bauchfett hatte das Intervallfasten also keinen Einfluss.
Intervallfasten kann zu einem erheblichen Gewichtsverlust führen – auch ohne eine spezifische Beratung zu Kalorienbeschränkung, schreibt die spanische Autorengruppe. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die achtstündige Essensaufnahmezeit um 10:00 oder um 13:00 beginnt – die dadurch erzielte Gewichtsabnahme ist offenbar vergleichbar.
Quelle: Medscape
Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
Bildrechte: mauritius images / Florin Lupsa / Alamy / Alamy Stock Photos
Verstärkte Herzinsuffizienz
Bei Menschen mit einer Herzinsuffizienz ist es wichtig, auf die Eisenwert im Blut zu achten. Denn ein Eisenmangel kann die Herzschwäche verstärken und sollte deshalb behoben werden.
Herzschwäche führt oft ins Krankenhaus
Bei einer Herzinsuffizienz hat das Herz Probleme, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Typische Beschwerden sind Atemnot, Müdigkeit, Schwäche oder Wassereinlagerungen (Ödeme). Die Herzinsuffizienz ist einer der häufigsten Gründe für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle.
Ein Auslöser für die Verschlechterung einer Herzinsuffizienz ist Eisenmangel. Denn Eisen ist wichtig für den Transport von Sauerstoff und für die Energiegewinnung, wovon der Herzmuskel besonders viel benötigt. Zudem braucht das Herz Eisen, um sich an akuten oder chronischen Stress anzupassen.
Eisenmangel bei Herzinsuffizienz häufig
Doch etwa 40 Prozent der Patient*innen mit chronischer Herzinsuffizienz weisen einen Eisenmangel auf, berichten Kardiolog*innen. Deshalb sollte bei ihnen regelmäßig der Eisenstoffwechsel überprüft werden. Das geht mit einfachen Bluttests. Meist werden dafür das Serum-Ferritin, der Transferrin-Wert und der Hämoglobinwert herangezogen.
In bestimmten Fällen als Kurzinfusion
Bei Eisenmangel verordnet die Ärzt*in Eisenpräparate als Tabletten, Kapseln oder Tropfen. Doch Herzinsuffizienz-Patient*innen können das Spurenelement oft nicht ausreichend über den Darm aufnehmen. Ihnen kann das Eisen als Kurzinfusion verabreicht werden.
Empfohlen wird dies insbesondere für diejenigen, die mit einer akuten Herzinsuffizienz im Krankenhaus waren und einen Eisenmangel aufweisen. Studien zufolge sollen Eiseninfusionen die Lebensqualität verbessern und weiteren stationären Einweisungen vorbeugen.
Quellen: pta heute, Deutsche Herzstiftung
Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
Bildrechte: mauritius images / Science Photo Library / Wladimir Bulgar
Was bringt die Kortisonspritze?
Kortisonspritze oder Operation? Das ist beim Karpaltunnelsyndrom häufig die Frage. Eine Entscheidungshilfe könnten die Daten einer aktuellen schwedischen Studie sein.
Nächtliche Schmerzen und Missempfindungen
Das Karpaltunnelsyndrom ist weit verbreitet: Bis zu 10% der Bevölkerung sind betroffen, Frauen leiden häufiger darunter als Männer. Bei der Erkrankung ist ein Sehnenfach am Handgelenk verengt. Wird dadurch der darin verlaufende Medianusnerv eingeschnürt, kommt es zu nächtlichen Schmerzen, Gefühlsstörungen und Kraftminderung der Hand.
Eine Behandlungsoption ist die chirurgische Erweiterung des Sehnenfachs. Vorher werden jedoch meist konservative Maßnahmen empfohlen. Vor allem beim idiopathischen Karpaltunnelsyndrom (hier ist keine Ursache bekannt) soll das Einspritzen von Kortison den gereizten Nerv beruhigen. Wie gut das funktioniert, hat nun eine schwedische Studie untersucht. Dabei bekamen 111 betroffene Patienten entweder Kortison oder wirkungsloses Kochsalz (als Placebo) in den Karpaltunnel injiziert. Danach wurden die Patient*innen fünf Jahre lang nachbeobachtet.
Kein Einfluss auf die Beschwerden
Dabei kam heraus, dass sich Schmerzen und Missempfindungen im Verlauf der Zeit in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar verbessert hatten. Bezüglich der Beschwerden war es also egal, ob die Teilnehmer*innen Kortison oder ein Placebo erhalten hatten.
Seltener OP erforderlich
Einen Unterschied zwischen der Kortisontherapie und der Placebobehandlung gab es allerdings doch. Innerhalb der fünf Jahre ließen etliche der Patient*innen ihr Karpaltunnelsyndrom chirurgisch behandeln. Bei denjenigen, die Kortison erhalten hatten, war das nicht nur seltener erforderlich. Ihre Operation konnte auch länger aufgeschoben werden als nach der Placebospritze.
Quelle: JAMA
Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
Bildrechte: 220 Selfmade studio/shutterstock.com
Von der STIKO empfohlen
Das Virus RSV kann bei Säuglingen lebensbedrohliche Atemwegserkrankungen verursachen. Zum Schutz empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die RSV-Prophylaxe. Aber was ist das überhaupt genau?
Wie normale Impfungen wirken
Gegen viele Kinderkrankheiten gibt es Impfungen. Dabei wird ein abgeschwächter Erreger oder nur Bestandteile eines Krankheitserregers verabreicht. Diese sind zu schwach oder gar nicht in der Lage, die Krankheit auszulösen. Er reicht aber dafür aus, dass das Immunsystem reagiert und wichtige Abwehrstoffe gegen die Krankheit bildet. So ist das Immunsystem auf den Krankheitserreger vorbereitet und kann ihn bei Kontakt abwehren.
Direkte Verabreichung von Abwehrstoffen
Gegen RSV gibt es für Säuglinge keine solche Impfung. Säuglinge können aber auf einem anderen Weg geschützt werden: über die RSV-Prophylaxe. Die Prophylaxe funktioniert etwas anders als die Impfung: Dabei produziert das Immunsystem der Säuglinge die Abwehrstoffe nicht selbst. Stattdessen werden die fertigen Abwehrstoffe direkt verabreicht. Das verwendete Präparat heißt Nirsevimab und ist ein Antikörper.
Immunsystem wird nicht trainiert
Die RSV-Prophylaxe sollte möglichst bald nach der Geburt verabreicht werden. Sie bietet einen zuverlässigen Schutz und wirkt sofort. Anders als eine Impfung trainiert die Prophylaxe das Immunsystem aber nicht. Der Wirkstoff baut sich nach und nach ab und hat nach 5 Monaten seine Wirkung verloren.
Schutz vor Herbst-Welle
Empfohlen wird die RSV-Prophylaxe vor allem Säuglingen, die zwischen April und September geboren wurden. Das liegt daran, dass diese Kinder sehr jung mit der RSV-Saison im Herbst und Winter (von Oktober bis März) konfrontiert werden. Durch die RSV-Prophylaxe bekommen sie genug Zeit, unbeschadet durch den Herbst zu kommen und im Anschluss selbst einen guten Immunschutz aufzubauen.
Quelle: Kinderaerzte-im-Netz
Quelle: Sara Steer
Bildrechte: mauritius images / ANP, ANP / Alamy / Alamy Stock Photos
Kräutertee statt Kaffee?
Die nicht-alkoholische Fettleber wird vor allem durch Umstellung der Ernährung behandelt. Doch wie macht man es richtig? Muss man tatsächlich auf Kaffee verzichten? Welche Kohlenhydrate und Fette sind günstig? Und ist Fleisch schädlich?
Ein Drittel der Erwachsenen betroffen
Die nicht-alkoholische Fettleber ist in Deutschland häufig: Bis zu einem Drittel der Erwachsenen soll darunter leiden. Das ist kein Wunder, denn eine der wichtigsten Ursachen für die Fettansammlung in der Leber ist eine Insulinresistenz, die durch kalorien- und fettreiche Ernährung begünstigt wird. Übergewichtige Menschen und solche mit einem Typ-2-Diabetes sind deshalb auch besonders oft von einer Fettleber betroffen.
Zentrale Maßnahme bei Fettleber ist die Ernährungsumstellung. Doch genau hier gibt es viele Irrtümer, wie Wissenschaftler*innen betonen. Eine brasilianische Arbeitsgruppe hat die wichtigsten Falschaussagen zusammengetragen und korrigiert:
- Es zählt nur die Kalorienmenge. Falsch: Natürlich ist es wichtig, bei Übergewicht die Kalorienmenge zu reduzieren. Doch zusätzlich beeinflusst auch die Zusammensetzung der Nahrung die Fettleber. Die mediterrane Ernährung zeigt beispielsweise positive Effekte, selbst wenn es dadurch nicht zu einem Gewichtsverlust kommt.
- Alle Kohlenhydrate sind schädlich. Falsch: Besonders problematisch für die Fettleber sind einfache Zucker, vor allem Fruktose. Kohlenhydrate aus Vollkorn, Obst und Gemüse schützen dagegen die Leber.
- Fette sollten prinzipiell gemieden werden. Falsch: Ungesättigte Fettsäuren wie z. B. aus Olivenöl oder Fisch sind sogar vorteilhaft für die Leber. Meiden sollte man allerdings Transfette und stark gesättigte Fette, wie sie z. B. in Backwaren, Fertigprodukten, Fleisch und Kokosfett zu finden sind.
- Intervallfasten belastet die Leber. Falsch: Intervallfasten kann sich sogar günstig auf das Leberfett auswirken. Voraussetzung ist, dass man es richtig anwendet. Empfohlen wird die 16:8 Methode, bei der täglich 16 Stunden gefastet und in einem 8-stündigen Zeitfenster gegessen wird.
- Kaffee schadet der Leber. Falsch: 2 bis 3 Tassen am Tag wirken schützend auf die Leber, Voraussetzung ist allerdings, dass das Gebräu ohne Milch, Zucker oder pflanzliche Cremes getrunken wird.
- Kräutertees entgiften die Leber. Falsch: Viele Naturprodukte oder Kräutertees werden als entschlackend oder entgiftend für die Leber angepriesen. Das ist oft nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Hochdosierter Grüntee, Kava-Kava und Kurkuma können u. U. sogar lebertoxisch wirken.
- Ein bisschen Alkohol ist erlaubt: Falsch. Auch die nicht-alkoholische Fettleber muss geschont werden, schon ganz geringe Mengen können sie schädigen. Deshalb ist Alkoholabstinenz angesagt.
- Fleisch ist unproblematisch. Falsch: Vor allem gegrilltes oder geräuchertes Fleisch kann die Fettleber verschlimmern. Empfohlen werden deshalb nicht mehr als ein bis zwei Portionen Fleisch pro Woche, die zudem mager und schonend gegart sein sollen. Noch besser ist es, rotes Fleisch durch andere Proteinquellen zu ersetzen. Ganz besonders gilt dies für Menschen, die an einer besonderen genetisch bedingten Risikovariante leiden (PNPLA3-Fettleber).
Quelle: Ärztezeitung
Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
Bildrechte: mauritius images / Edgar G. Biehle / Alamy / Alamy Stock Photos