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Tipps gegen Demenz

Von Bewegen bis Blutdruckkontrolle

Demenz ist für die meisten Menschen ein Albtraum. Auch für die WHO – sie rechnet in den nächsten Jahrzehnten weltweit mit einer regelrechten Demenz-Epidemie. Mit konkreten Empfehlungen zur Prävention will sie dieser Entwicklung entgegensteuern.

Dreimal mehr Demente als heute

Mit 150 Millionen Dementen weltweit rechnet die WHO für das Jahr 2050 – das sind dreimal so viel Betroffene als heute. Grund für die Demenz-Epidemie ist die wachsende und gleichzeitig alternde Bevölkerung. Das bedeutet eine ganz erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem, zumal es bisher keine wirksamen Medikamente dagegen gibt. Die WHO setzt deshalb auf Prävention und gibt den Menschen konkrete Maßnahmen an die Hand, um das eigene Demenzrisiko zu verringern. 3 Punkte sind dabei ganz besonders wichtig:

  • Bewegung. Je mehr sich ein Mensch im Laufe seines Lebens bewegt, desto geringer ist sein Demenzrisiko. Dabei fördert körperliche Aktivität offenbar die Hirnstrukturen sowohl direkt als auch über eine verbesserte Durchblutung. Trainiert werden sollen 75 Minuten pro Woche intensiv oder 150 Minuten moderat. Gut geeignet sind Schwimmen oder Radfahren, am besten kombiniert mit Krafttraining.
  • Nikotinverzicht. Beim Rauchen gehen die Expert*innen von einem zweifachen Angriff auf das Gehirn aus. Zum einen schädigen die im Tabakrauch enthaltene Substanzen das Gehirn direkt, zum anderen schadet Rauchen den Gefäßen und damit der (Hirn)-Durchblutung. Wer also noch nicht rauchfrei ist, sollte im Hinblick auf die Hirnleistung die Raucherentwöhnung starten. Gegen den anfänglichen körperlichen Entzug helfen zum Beispiel Niktoinpflaster oder - kaugummis aus der Apotheke.
  • Blutdruckkontrolle. Vor allem im mittleren Alter scheint ein Bluthochdruck das spätere Risiko für eine Demenz zu erhöhen. Deshalb fordern die WHO-Experten die leitliniengerechte Behandlung von Hochdruckpatienten, sowohl durch Lebensstiländerungen als auch mit den erforderlichen Medikamenten.

Neben dem Kampf gegen Bewegungsmangel, Rauchen und Bluthochdruck empfiehlt die WHO zur Vorbeugung außerdem

  • gesunde, mediterrane Ernährung mit viel Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Fisch, Nüssen sowie wenig Salz und Zucker. Keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Demenz hat nach WHO die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren oder Vitaminen 
  • Alkoholreduktion
  • kognitives Training mit Gehirnjogging, Rätseln, Gedächtnistraining soziale Aktivitäten
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • leitliniengerechte Behandlung von Hörverlust, Depressionen, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes.

Quelle: Ärztezeitung, WHO

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Riskante Wechselwirkung bei Asthma

Betablocker-Tropfen + Asthma-Mittel

Die geläufigsten Augentropfen zur Behandlung des Grünen Star zählen zu den sogenannten Betablockern. Werden zusätzlich Asthma-Mittel über den Mund eingenommen, ist das Risiko von Wechselwirkungen besonders hoch.

Betablocker gelangen direkt in die Blutbahn

Nur 20 Prozent der Betablocker-Tropfen werden überhaupt in das Auge aufgenommen. Die anderen 80 Prozent gelangen in den Nasen-Rauchen-Raum. Dort werden sie über die Schleimhaut in das Blut aufgenommen. Dadurch drohen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Ein besonders hohes Risiko besteht bei Betablocker-Tropfen und oral eingenommenen Asthma-Mitteln. Wer Angst hat, unter den Wechselwirkungen zu leiden, fragt am besten die Ärzt*in oder Apotheker*in um Rat. Das gilt besonders in diesen Fällen:

  • Wenn die Patient*innen unter der Therapie häufiger unter einer Muskelverkrampfung rund um die Atemwege (Bronchospasmen) leiden
  • oder eine Verschlechterung ihres Asthmas feststellen
  • oder ein Arzneimittel neu verordnet bekommen.

Asthma-Patient*innen, die von ihrem erhöhten Augeninnendruck erfahren, sollten vor Beginn der Therapie die Augenärzt*in über die Vorerkrankung und die eingenommenen Medikamente informieren. Je nach Nutzen und Risiken der verfügbaren Therapien entscheidet die Ärzt*in dann, welche Augentropfen geeignet sind.

Trick für die Anwendung von Betablocker-Augentropfen

Wer auf die Augentropfen angewiesen ist, kann auch durch einen kleinen Trick die Aufnahme in das Blut reduzieren. Durch einen leichten Druck auf den nasalen Augenwinkel für 3 Minuten können Patient*innen die Tränenkanälchen verschließen, sodass die Tropfen nicht in den Nasen-Rachenraum fließen. Asthma-Patient*innen brauchen sich jedoch keine Sorge um ihre Therapie machen. Denn auch wenn der Einsatz von Glaukom-Augentropfen nicht in Frage kommt, stehen genug andere Medikamente zur Verfügung.

Quelle: Apothekerkammer Niedersachsen

Quelle: Sandra Göbel/Apothekerkammer Niedersachen
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Was tun, wenn die Mundrose blüht?

Von Nulltherapie bis Antibiotika

Eigentlich ist die Mundrose eine harmlose, nicht ansteckende Erkrankung. Trotzdem ist sie tückisch: Denn wer versucht, die roten Papeln und Pusteln um Mund oder Nase mit Pflegecremes oder gar Kortison zu vertreiben, verschärft das Problem. Stattdessen ist bei der Mundrose konsequente Nulltherapie angesagt. Wie die aussieht und wann zusätzlich Antibiotika oder Vitamin-A-Säure erforderlich sind, erfahren Sie im aktuellen Ratgeber.

Papeln und Pusteln um Nase und Mund

Eine Mundrose ist nicht zu übersehen: Sie sitzt mitten im Gesicht und wird von den Betroffenen deshalb als überaus störend empfunden. Meist bilden sich die Papeln und Pusteln rund um den Mund (lateinisch „perioral“), weshalb die Erkrankung medizinisch „Dermatitis (für Hautentzündung) perioralis “ heißt. Manchmal sind aber auch die Bereiche neben der Nase oder den Augen betroffen. Bei schwerer Ausprägung verbreiten sich die Hauterscheinungen sogar bis hinter die Ohren oder unter das Kinn.

Die Papeln der Mundrose sind rötliche und wenige Millimeter große Knötchen, die unter der meist geröteteten, geschwollenen oder geschuppten Haut sitzen. Zu den Papeln gesellen sich gern Pusteln, d.h. kleine Hohlräume, die manchmal auch mit Eiter gefüllt sind. Ganz typisch für die Erkrankung ist der weiße Randsaum um den Mund. Er entsteht dadurch, dass um das Lippenrot herum ein etwa zwei Millimeter breiter Streifen von den Papeln verschont bleibt. Leider kann man die Mundrose nicht nur sehen, sondern auch spüren: Die betroffene Haut spannt und brennt, und manchmal juckt sie auch.

Was die Mundrose verursacht, ist unklar. Wichtigster Faktor ist wahrscheinlich eine Hautreizung durch übermäßigen Gebrauch von Hautpflegeprodukten, Kosmetika oder Sonnenschutzmitteln. Dadurch wird ein Teufelskreis ausgelöst: Die Pflegeprodukte stören die Hautbarriere, was letztlich zu einer Entzündungsreaktion führt. Dem versuchen die Betroffenen mit vermehrter Hautpflege entgegenzuwirken – und verstärken die Reizung und damit die Beschwerden weiter.

Frauen zwischen 16 und 45 Jahren sind besonders gefährdet, an Mundrose zu erkranken. Denn vor allem diese Altersgruppe greift häufig zu Hautpflegeprodukten und Kosmetika. Bei Stewardessen und Mannequins ist die Mundrose fast schon eine „Berufskrankheit“. deshalb ist sie auch unter dem Namen Stewardessen- oder Mannequinkrankheit bekannt. Neben einem Zuviel an Kosmetika soll aber auch eine allergische Veranlagung die Mundrose begünstigen.

Meist verläuft die Erkrankung schubweise über mehrere Monate. Mal blüht sie mehr auf, mal wird sie weniger. Das hängt auch von äußeren Faktoren ab: Sonnenlicht etwa verstärkt die die Beschwerden oft. Und in Coronazeiten triggern Mund-Nasen-Masken die Mundrose.

Hinweis: Auch Kortison kann eine Mundrose auslösen. Die Erkrankung tritt gar nicht so selten nach der Behandlung von Gesichtsekzemen mit Kortisoncremes auf.

Ist es überhaupt eine Mundrose?

Ob es sich bei den störenden Papeln tatsächlich nur um eine Mundrose handelt, muss die Hautärzt*in entscheiden. Meist reichen Krankengeschichte und das Erscheinungsbild mit dem typischen Randsaum aus, um die Mundrose von anderen, ähnlich aussehenden Krankheiten abzugrenzen. Dazu gehören beispielsweise

  • Rosazea. Hier findet man meist zusätzlich erweiterte und geplatzte Äderchen und vergrößerte Talgdrüsen.
  • Neurodermitis (atopisches Ekzem). Hier überwiegt der Juckreiz und meist wird die Erkrankung bei Pollenflug oder Tierhaarkontakt schlimmer.
  • Milbenbefall. Der ist in der Regel nur einseitig, außerdem lassen sich winzige Milbengänge erkennen.
  • Lippenleckekzem. Hier reichen die nässenden Hautveränderungen bis an das Lippenrot heran. Außerdem sind meist Säuglinge oder Kleinkinder mit bekannter Neurodermitis betroffen.
  • Seborrhoisches Ekzem. Dabei dominieren gelblich-fettige Schuppen, zudem tritt die Erkrankung meist auch an den Augenbrauen und am Kopf auf.

Hinweis: Nur in seltenen Fällen ist es erforderlich, eine Gewebeprobe aus der befallenen Haut zu entnehmen und diese unter dem Mikroskop zu untersuchen.

Stufentherapie nach Schweregrad

Steht die Diagnose, misst die Ärzt*in den Schweregrad der Erkrankung mit einem speziellen Score, dem PODSI. Bewertet werden dabei Hautrötung, Papeln und Schuppung in 0,5-er Schritten von 0 (nicht vorhanden) bis 3 (stark ausgeprägt). Zählt man die Punkte zusammen, ergibt sich der Gesamtwert und damit der Grad der Mundrose. Bei Werten von 0,5–2,5 spricht man von einer leichten Mundrose, bei 3–5,5 Punkten handelt es sich um eine mittelschwere, bei 6-9 um eine schwere Form. Der Schweregrad ist wichtig für die Therapie, die in Stufen erfolgt:

  • leichte Mundrose: Nulltherapie (1. Stufe)
  • mittelschwere Mundrose: Nulltherapie plus Lokalbehandlung mit Salben, Gelen oder Cremes (2. Stufe)
  • schwere Mundrose: Nulltherapie plus Lokalbehandlung plus Einnahme von Tabletten (3. Stufe).

Hinweis: Mit dem PODSI lässt sich auch der Therapieerfolg prüfen. Bessert sich der Wert nach drei Wochen Behandlung nicht, wird die nächst höhere Therapiestufe empfohlen.

1.Stufe: Nulltherapie Nulltherapie heißt tatsächlich, alle Kosmetika zu meiden. Dazu gehören Hautpflegeprodukte, Peelings, Masken, Make-up und tönende Cremes genauso wie Parfüm und sogar Raumdüfte. Einfach „nichts“ zu tun ist für die Betroffenen oft eine besondere Herausforderung. Trotzdem sollte man sich daran halten, denn nur dann besteht Aussicht auf Erfolg. Allerdings braucht man eine gehörige Portion Geduld: die Abheilung dauert im Regelfall mehrere Wochen.

Für die Reinigung der Gesichtshaut empfehlen Hautärzt*innen, nur klares, lauwarmes Wasser zu verwenden. Nützlich ist dabei ein Mikrofasertuch. Wer gar nicht auf eine Waschsubstanz verzichten möchte, kann statt zur Seife zu einem Syndet greifen. Diese waschaktiven Substanzen werden chemisch hergestellt, haben einen günstigeren pH-Wert und lösen seltener Allergien aus. Bei der Auswahl des geeigneten Präparates hilft Ihre Apotheker*in gerne.

Um die gestresste Haut nicht zusätzlich zu reizen, darf sie nach dem Waschen nur vorsichtig trockengetupft werden. Sind die Spannungsgefühle sehr stark, können Schwarzteeumschläge helfen. Dazu tränkt man Kompressen mit schwarzem Tee (stark aufgebrüht, aber abgekühlt!) und legt sie mehrmals täglich für 10 bis 15 Minuten auf die Haut.

Ist trotzdem noch eine Pflege erforderlich, sind nur einzelne, gut verträgliche medizinische Hautpflegemittel erlaubt. Sie müssen komplett frei von Emulgatoren, Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen sein. Solche Produkte sind in der Apotheke erhältlich, hier gibt es auch Rat, welches für Sie am besten geeignet ist.

Zusätzlich ist es wichtig, die Gesichtspartie vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Weil Sonnenschutzmittel die Mundrose triggern können, sind diese natürlich verboten. Stattdessen heißt es Sonne meiden oder eine weiche, nicht reizende Mund-Nasen-Maske tragen.

Hinweis: Bei der Nulltherapie kann sich das Hautbild zuerst verschlechtern. Davon sollte man sich nicht entmutigen lassen – denn nur durch die Kosmetikaabstinenz kann sich die Haut dauerhaft regenerieren.

Zweite Stufe mit Lokalbehandlung

Bei mittelschwerer Mundrose (PODSI 3–5,5) kommen lokal Salben, Gele oder Lösungen zum Einsatz. Das Gleiche gilt, wenn bei leichter Mundrose die Nulltherapie nicht greift. Drei Wirkstoffe werden dabei am häufigsten verwendet: Die Antibiotika Metronidazol als Gel und Erythromycin als Lösung oder der Immunmodulator Pimecrolimus als Salbe. Bei all diesen verschreibungspflichtigen Präparaten sind Nebenwirkungen zu beachten. So ist zum Beispiel bei Metronidazol ein guter UV-Schutz wichtig, weil das Präparat sonst an Wirksamkeit verliert. Alle können zudem Hautirritationen und Kontaktallergien auslösen.

Bevor bei Nicht-Ansprechen der oben genannten Wirkstoffe die Stufe-3-Therapie gewählt wird, verordnen die Ärzt*innen manchmal auch Azelainsäure, Ichthyol oder eine Photodynamische Therapie mit 4-Aminolävulinsäure. Diese Wirkstoffe haben in kleineren Studien gute klinische Effekte gezeigt. Allerdings können sie auch eine Reihe unerwünschter Wirkungen auslösen. Ob sie generell als Therapie empfohlen werden können, müssen größere Studien noch zeigen.

Hinweis: Auf keinen Fall sollten Betroffene eine Selbsttherapie mit Kortisoncremes starten. Kortison bessert wegen seinem antientzündlichen Effekt zwar scheinbar zunächst das Hautbild. Weil es die Hautbarriere jedoch stark beeinträchtigt kehren die Symptome bald zurück – und zwar meist noch schlimmer als zuvor. Nicht umsonst gilt eine Kortisontherapie auch als Trigger, also Auslöser, für die Mundrose.

Stufe 3: Therapie von innen

Bei schwerer Mundrose mit dunkelroter Haut, vielen roten, in Gruppen stehenden Papeln und ausgeprägter Schuppung reicht die äußere Behandlung oft nicht aus. Dann verschreiben die Ärzt*innen Medikamente zum Einnehmen, etwa Antibiotika oder den Vitamin-A-Abkömmling Isotretinoin.

Bei den Antibiotika stehen für Kinder ab 8 Jahren und Erwachsene z. B. Doxycyclin und Minocyclin zur Auswahl. Für kleinere Kinder und in der Schwangerschaft kommen Makrolide zum Einsatz. Wichtig ist es, die Tabletten nach der ärztlichen Verordnung regelmäßig einzunehmen.

Das Vitamin-A-Säure-Derivat Isotretinoin ist ein starker Wirkstoff, der aber leider zahlreiche Nebenwirkungen hat. Deshalb sind während der Einnahme regelmäßig Blutbild und Leberwerte zu kontrollieren. Auch die Psyche leidet manchmal unter dem Medikament: Bei einigen Patient*innen löst Isotretinoin Aggressivität, Angst, Stimmungsschwankungen oder Depressionen aus.

Hinweis: Isotretinoin ist in der Schwangerschaft absolut tabu, da es das ungeborene Kind im Mutterleib schwer schädigt. Gebärfähige Frauen, die Isotretinoin benötigen, müssen deswegen unbedingt sicher verhüten – und zwar im gesamten Zeitraum von einem Monat vor Therapiebeginn bis einen Monat nach Therapieende.

Vorbeugen ist besser als heilen

Die Behandlung einer Mundrose ist langwierig. Die beste Therapie ist deshalb vorbeugen. Wichtig ist vor allem eine gut verträgliche, reizfreie Hautpflege . Je weniger Inhaltsstoffe eine Creme oder Waschlotion hat, desto besser. Für empfindliche Haut besonders geeignete Pflegeserien gibt es in der Apotheke, dort erhält man auch Proben, um die Verträglichkeit zu testen. Außerdem empfiehlt es sich, der Haut immer wieder Zeiten ohne Make-up zu gönnen. Wer dann noch Peelings, mechanische Manipulationen an der Gesichtshaut oder aggressive Masken meidet, hat gute Chancen, von der Mundrose verschont zu bleiben.

Quellen: DAZ 2020, Nr. 8, S. 32, www.amboss.de

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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Nahrungsergänzung im Blick: Vitamin B6

Sinn oder Unsinn?

Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B6 verleihen starke Nerven und verbessern die Konzentration – so versprechen es zumindest einige Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter der Werbung?

Unverzichtbar für Stoffwechsel, Immunsystem und Nerven

Der Begriff „Vitamin B6“ umfasst eine ganze Gruppe verschiedener Moleküle. Ein bekannter Vertreter ist zum Beispiel das Pyridoxin. Zusammen sind die Moleküle an über 100 Reaktionen im Körper beteiligt. Besonders wichtig ist ihre Rolle im Stoffwechsel von Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten. Aber auch für das Nervensystem, das Immunsystem und die Produktion der roten Blutkörperchen – den Erythrozyten – ist Vitamin B6 unverzichtbar.

Vitamin-B6-Mangel sehr selten

Beim Vitamin B6 handelt es sich um einen essenziellen Nahrungsbestandteil, das heißt der Körper kann es nicht selbst herstellen. Sämtliches Vitamin B6 muss also über die Nahrung aufgenommen werden. Glücklicherweise ist das Vitamin in fast allen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln in großen Mengen enthalten, sodass ein Vitamin-Mangel sehr selten vorkommt.  

Zu viel ist schädlich

Anders sieht es bei Menschen mit Vorerkrankungen aus. Wer zum Beispiel unter einer chronischen Magen-Darm-Erkrankung oder Alkoholabhängigkeit leidet, sollte gut auf seine Vitamin-Versorgung achten. Auch Medikamente gegen Tuberkulose, Epilepsie oder Asthma und hormonelle Verhütungsmittel entziehen dem Körper das Vitamin. Betroffene fragen am besten die behandelnde Ärzt*in um Rat und achten gut auf die Symptome eines Vitamin-B6-Mangels. Dazu gehören zum Beispiel Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit an den Händen und Füßen. Bei einem ausgeprägten Mangel leiden Betroffene unter einer Anämie, also einer Blutarmut. Dadurch fühlen sie sich oft müde und schlapp.  

Während Nahrungsergänzungsmittel für Menschen mit einem Mangel sinnvoll sind und die Symptome mildern, machen sie für Menschen ohne Mangel wenig Sinn. Denn durch eine zusätzliche Aufnahme des Vitamins werden die Nerven und das Gehirn nicht leistungsfähiger. Im Gegenteil: Wer über einen langen Zeitraum hohe Mengen des Vitamins aufnimmt, muss sogar mit Symptomen wie Muskelschwäche oder Nervenschäden rechnen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt deshalb: Lieber nicht mehr als 25 Milligramm Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufnehmen.

Quellen: Elmadfa und Leitzmann: Ernährung des Menschen, 6. Auflage, utb, 2019; Verbraucherzentrale; DGE Referenzwerte und FAQ; EFSA

Quelle: Marie Schläfer
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Kurz-Therapie gegen Spritzenphobie

Angst vor der Impfung?

Manche Menschen haben so panische Angst vor Spritzen, dass sie auf Impfungen lieber verzichten. Eine neue Kurzzeit-Therapie des Max-Planck-Instituts soll gegen die Spritzenphobie helfen – und damit die Covid-19-Impfung ermöglichen.

Extreme Ängste, oft auch Ohnmacht

Bei der Spritzenphobie handelt es sich nicht um ein bisschen Angst vor einer Spritze: Blutabnahmen oder Impfungen lösen bei den Betroffenen extreme Ängste und Stress, manchmal sogar Ohnmachten aus. Etwa 20 bis 30% aller Kinder und jungen Erwachsenen leiden daran, in der gesamten Bevölkerung geht man von etwa 3% Spritzenphobiker*innen aus.

Die Spritzen- oder auch Trypanophobie hat für die Betroffenen erhebliche Konsequenzen. Arztbesuche werden vermieden und dadurch Krankheiten verschleppt sowie nötige Therapien oder Vorsorgemaßnahmen verhindert. Darunter auch die Coronaimpfungen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5% aller Erwachsenen die Impfung wegen einer Spritzenphobie ablehnen.

Sechs Sitzungen, Kasse zahlt

Gegen die Spritzenphobie hat das Max Planck-Institut (MPI) für Psychiatrie in München ein Verhaltenstherapeutisches Kurzinterventionsprogramm entwickelt. Es besteht aus ca. sechs Sitzungen. Zunächst geht es darin um Informationen über die Erkrankung, das Entstehungsmodell einer Spritzenphobie und individuelle Auslöser. Dann werden die Patient*innen mit dem angstmachenden Ereignis konfrontiert. Dabei zeigt man ihnen Fotos und Videos und gibt ihnen Spritzen in die Hand. Außerdem wird ihnen in den Finger gestochen und sie müssen bei Blutentnahmen zusehen. Schließlich erfolgt im letzten Schritt eine Blutentnahme oder eine Impfung. Nach Besprechung des Lernerfolgs bekommen die Patient*innen noch weitere Übungen mit auf den Weg. Beim Nachsorgetermin werden die Übungen und eventuelle Rückfälle besprochen.

Die Kurzzeittherapie vertreibt zwar meist nicht die Angst vor der Spritze – die Betroffenen lernen aber, damit besser umzugehen. Die Erfolge sprechen für sich: 90% der Teilnehmer haben das Programm bisher mit einer Impfung oder einer Blutentnahme verlassen, berichtet Professor Angelika Ehrhard vom MPI. Die Kosten für die Therapie übernehmen die Krankenkassen. Quellen: MPI, Ärztezeitung

Quelle: Dr. med. Sonja Kempinski
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